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UNSERE KRANKENHAUSPHARMAZIE

Österreichische Krankenhausapotheken

In Österreich gibt es in etwa 270 Krankenanstalten, von denen 38 über eine eigene Krankenhausapotheke verfügen. 

Aufgaben

Versorgung

Nur 14% aller Krankenanstalten werden direkt durch eine eigene Apotheke versorgt.

Medikamentendepots

Etwa 180 Krankenanstalten, Pflegeheime, Reha-Zentren, Rettung, etc. werden zusätzlich von unseren KH-Apotheken versorgt (Medikamentendepots, direkte Stations-oder Patienten bezogene Belieferung )

Personal

In den österreichischen Krankenhausapotheken arbeiten ca. 430 Apothekerinnen und Apotheker. Diese werden von zahlreichen Pharmazeutisch-kaufmännischen AssistentInnen, DrogistInnen, LaborantInnen und weiterem Personal unterstützt.

KRANKENHAUSAPOTHEKEN

Aufgaben der ApothekerInnen im Krankenhaus

Zentrale Stelle für alle Aspekte der Arzneimittelgebarung

Die Krankenhausapotheke ist im Krankenhaus die zentrale Stelle für alle Aspekte der Arzneimittelgebarung. Aufgabe einer Krankenhausapotheke ist die qualitätsgesicherte und wirtschaftliche Versorgung der Patienten eines Krankenhauses mit Arzneimitteln und anderen Produkten des medizinischen Sachbedarfs bei optimaler Patientensicherheit.

Die Krankenhausapotheker leisten einen wesentlichen Beitrag zur Qualitat und Sicherheit der Behandlung, sie stellen sicher, dass alle Patienten optimal mit Arzneimitteln, Diagnostika und Medizinprodukten versorgt werden, fertigen individuelle Arzneimittel selbst an und sind die zentralen Ansprechpartner fur alle Arzneimittelfragen.

Krankenhausmanagement

Arzneimittel sind ein relevanter Kostenfaktor. KrankenhausapothekerInnen sind somit wichtige AnsprechpartnerInnen für Controlling, Krankenhausmanagement und budgetverantwortliche Abteilungsvorstände. Selbst der Einkauf von Arzneimitteln erfordert in der heutigen Zeit der laufenden Lieferengpässe und Marktvolatilitäten großes pharmazeutisches Wissen und kann nicht mit einem Einkauf von z.B. Autozubehör verglichen werden.

In das Sortiment der Krankenhausapotheken gehören aber auch noch viele andere Produkte, wie Blut und Blutprodukte, Desinfektionsmittel, Verbandstoffe, enterale und parenterale Ernährung, Infusionen, Dialyselösungen, Reagenzien und Diagnostika sowie Medizinprodukte bis hin zu medizinischen Gasen. Im Rahmen der Arzneimittelkommission wird die pharmazeutische Expertise in der Auswahl von Arzneimitteln nach medizinischen, pharmazeutischen und ökonomischen Gesichtspunkten gefordert

In interdisziplinären Arbeitsgruppen, wie Arzneimittelkommission, Ernährungsteam und Hygieneteam, wird eine bedarfsgerechte Produktauswahl vorgenommen (z.B.: Arzneimittelliste). Weiters werden Leitlinien und Empfehlungen, z.B. für die richtige Anwendung von Arzneimitteln und Medizinprodukten, erarbeitet.

Einen großen Stellenwert hat die Arzneimittelinformation.

Anfragen an die KrankenhausapothekerInnen zu Pharmakologie und Pharmakokinetik, unerwünschten Wirkungen und Wechselwirkungen, zu Dosierungen, galenischen Besonderheiten und Applikationsmöglichkeiten werden immer häufiger.

Aber auch Literaturrecherchen und die Beschaffung von Originalliteratur werden durch die Krankenhausapotheke durchgeführt. Als Quellen dienen Fachliteratur, spezielle Datenbanken und Guidelines

Vermeidung unerwünschter Arzneimittelereignisse

Der sichere Umgang mit Polymedikation und die Vermeidung unerwünschter Arzneimittelereignisse tragen wesentlich zur Therapiesicherheit und letztlich auch zur Vermeidung unnotiger Kosten bei.

Daher entscheiden sich immer mehr Krankenhäuser fur die Etablierung einer klinischpharmazeutischen Beratung auf der Station, im Rahmen von Aufnahme- oder Entlassungsprozessen sowie in Form von interdisziplinären klinisch-pharmazeutischen Boards oder Medcheck-Ambulanzen.

Die KrankenhausapothekerInnen  beantworten Fragen zu Dosierungen, Wirkungen, Neben- und Wechselwirkungen und geben individuelle Empfehlungen zur Therapieoptimierung ab. Das erleichtert die Versorgung, verbessert die Therapie, fördert das Verständnis der Patienten für ihre Medikation und trägt dazu bei, dass Arzneimittel letztlich auch eingenommen werden.

Obwohl der Nutzen klar belegt ist, hat die Klinische Pharmazie in Österreich noch große Entwicklungsmöglichkeiten.

Derzeit werden in einer Vielzahl von Krankenhäusern die unterschiedlichsten Formen von Klinisch-Pharmazeutischen Services angeboten, sei es im Rahmen der OP-Freigaben, wo standardisiert Medicines Reconciliation durchgeführt wird, sei es direkt auf Stationen oder im Rahmen von Entlassungen.

Verordnung und Anwendung von Arzneimitteln

Bei der Verordnung und Anwendung von Arzneimitteln tauchen oft Fragen auf, die von Fachleuten mit dem entsprechenden Fachwissen beantwortet werden müssen:

Von Anfragen über die Haltbarkeit von Wirkstofflösungen bis hin zur raschen Bereitstellung von Informationen zum richtigen Vorgehen bei unerwarteten Arzneimittelzwischenfällen, in der Krankenhausapotheke findet man schnellen, zuverlässigen und verantwortungsbewussten Rat.

für den individuellen Bedarf.

In der Krankenhausapotheke werden unter hohen Qualitätsauflagen Arzneimittel sowohl für den individuellen Bedarf bestimmter PatientInnen als auch für den wiederkehrenden Bedarf standardisierter Zubereitungen hergestellt.

Üblicherweise handelt es sich um Produkte, die in dieser Form nicht im Handel erhältlich sind.

individuelle Rekonstitution von Krebsmedikamenten

Die Patienten individuelle Rekonstitution von Krebsmedikamenten in der zentralen Zytostatikazubereitung der Apotheke dient sowohl der Therapiesicherheit als auch der Sicherheit der Anwender.

Die Krankenhausapotheke stellt die fachgerechte aseptische Zubereitung dieser innovativen Arzneimittel sicher und sorgt fur einen effektiven und kostenoptimierten Einsatz der zum Teil hochpreisigen Präparate.

Individuelle Dosierungen, Hilfsstoffe und Arzneiformen

Für Kinder sind nur in seltenen Fallen entsprechende Arzneimittel am Markt erfügbar. KrankenhausapothekerInnen wissen, wie Arzneimittel mit individuellen Dosierungen, Hilfsstoffen und Arzneiformen auch für unsere Kleinsten angefertigt werden.

Entdeckung weiterer Disziplinen

Auch andere Disziplinen entdeckt die Krankenhausapotheke für sich. Von der intravitrealen Injektion im Augen-OP über die Harnsteinanalyse bis zu Dialyselösungen liefert die Apotheke die maßgeschneiderten Präparate.

Der Bedarf an Informationen über Arzneimittel nimmt laufend zu. Krankenhausapotheker werden deshalb auch als Vortragende und Lehrer von vielen Einrichtungen im und um das Krankenhaus nachgefragt (Gesundheits- und Krankenpflegeschule, Berufsschule, Fachhochschule, Universität, Turnusarzteausbildung oder Workshops, Seminare und Vorträge für die Mitarbeiter im Krankenhaus).

Krankenhausapotheker sind auch als Lehrer tätig. Beispielsweise unterrichten sie angehendes Diplompflegepersonal, PflegehelferInnen, DiätassistentInnen, Radiologisch-technische AssistentInnen und Hebammen in Pharmakologie bzw. Medikamentenlehre. Auch in der Berufsausbildung von Apothekern und an den Berufsschulen für Pharmazeutisch-kaufmännische AssistentInnen nehmen Krankenhausapotheker Lehraufträge wahr. 

PHARMAZIE

Studium und Berufsausbildung

Pharmazie kann an den öffentlichen Universitäten Wien, Graz und Innsbruck studiert werden. Das Studium ist nach der Bologna-Struktur in ein Bachelor- und Masterstudium gegliedert und wird mit der Sponsion zum Magister der Pharmazie (Mag. pharm.) abgeschlossen (Mindestdauer: 6 Semester Bachelor und 4 Semester Master). Mittlerweile bieten auch Privat-Universitäten ensprechende Ausbildungen an.

Das darauf folgende Aspirantenjahr ist ein praktisches Ausbildungsjahr in einer öffentlichen Apotheke oder Krankenhausapotheke mit einem begleitenden Ausbildungskurs. Das Aspirantenjahr schließt mit der Prüfung für den ApothekerInnen-Beruf ab. ab. Die postgraduelle Weiterbildung zur Fachapothekerin für Krankenhauspharmazie ist seit 2004 möglich: Im Rahmen einer dreijährigen Tätigkeit in einer Krankenhausapotheke sind Weiterbildungsveranstaltungen im Gesamtausmaß von 240 Unterrichtseinheiten zu besuchen. Die Spezialisierung zur „Fachapothekerin für Krankenhauspharmazie (aHPh)“ wird mit einer Fachbereichsarbeit und einer Prüfung abgeschlossen.

Zusammenfassung

Die KrankenhausapothekerInnen sind innerhalb der Krankenhauslandschaft eine kleine Berufsgruppe, für die in all ihren Tätigkeitsbereichen die Patientensicherheit im Mittelpunkt steht. Aufgabe der Krankenhausapotheke ist es, durch Wahrnehmung von Versorgungsaufgaben, Arzneimittelherstellung und pharmazeutische Dienstleistungen dafür zu sorgen, dass optimale Diagnostik, Therapie und Pflege möglich sind. KrankenhausapothekerInnen leisten in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Ärzten und Pflegepersonal einen wichtigen Beitrag für den sicheren, bedarfsorientierten und kosteneffizienten Einsatz von Arzneimitteln im Krankenhaus.